Niedersachsen leistet sich Personal-Management

Niedersächsische IT-Projekte verlaufen anscheinend effizienter als andere. Die Einführung eines Personal-Management-Systems legt diese Vermutung nahe.

Niedersachsen ist sparsam. Das Bundesland bildet im europäischen Vergleich das Schlusslicht, wenn es um die EU-Regionalförderung für Internet, Telekommunikation und digitale Diensten und Mittel geht.

Nur 60 Cents pro Einwohner bei seinen EU-geförderten Programmen investiere Niedersachsen in den Ausbau der Informationsgesellschaft, berichtete Mitte März der für Regionalpolitik zuständige EU-Kommissar Michael Barnier. Seine Erkenntnis stammt aus einer Studie, die 150 regionale und drei nationale aus EU-Fördermitteln unterstützten Programme des Zeitraums 2000 bis 2006 miteinander vergleicht.

Etwa für denselben Zeitraum, für 2002 bis 2006, bewilligte das Landeskabinett rund 2,5 Millionen Euro jährlich für Sachmittel zur Einführung eines Personal-Management-Systems. Der Beschluss fiel am 9. Oktober 2001. Das Projekt ist nun angelaufen. Zwei Jahre nach der Einführung soll es sich bezahlt machen.

Bei den Landesämtern, Dienststellen und Ministerien arbeiten insgesamt 200 000 Personen und rund 30 verschiedene Lösungen für die Stellenbewirtschaftung, für die Verwaltung von Aus- und Fortbildung, für die Bewerber- und Personalverwaltung, umreißt die Projektleiterin Ulrike Lemmel die jetzige DV-Landschaft in diesem Bereich. Diese sollen allesamt abgelöst werden.

Das neue zentrale Verfahren soll zum einen alle Funktionen abdecken, die bisher die sich ergänzenden und überlappenden Systeme erfüllen. Doch über die Vereinfachung klassischer Aufgaben in der Personalverwaltung hinaus, ist das neue System dafür gedacht bei der Personalentwicklung zu helfen. Damit liegt das Land voll im Trend.

Denn auch in der Industrie entwickelt sich die Personalarbeit weg von der reinen Verwaltung hin zu strategischen, in die Zukunft gerichteten Aufgaben. Sie muss dafür sorgen, dass die Mitarbeiter über die Qualifikationen verfügen, die der Erfüllung unternehmerischer Ziele dienen. Defizite sind frühzeitig aufzudecken und zu beseitigen.

Veränderte Rolle der Sachbearbeitung
Für Lemmel bedeutet Personalentwicklung zunächst die Aus- und Weiterbildung für jeden einzelnen planen zu können. Dafür müssen die Personalverantwortlichen darüber Bescheid wissen, was die Mitarbeiter können, wo ihr Know-how und Können am besten einsetzbar ist und welche Qualifikationen für welche Aufgaben notwendig sind. „Vom Blick auf den Geschäftsverteilungsplan alleine, kann das niemand wissen“, so die Projektleiterin. Die Rolle der Personalsachbearbeitung soll sich ändern und einen planenden, gestaltenden Charakter annehmen.

Doch bisher sind selbst einfache landesweite Auswertungen schwierig und langwierig. Dazu ein Beispiel: Will das Innenministerium, das in Niedersachsen für die Personalentwicklung zuständig ist, wissen, welche Förderkonzepte in den einzelnen Ministerien existieren, muss zunächst ein Fragebogen erstellt werden. Dieser ist zu verschicken, auszufüllen und zurückzuschicken. Erst danach sind die Daten erfassbar und können ausgewertet werden. Fehler und Verschleppung sind verfahrensimmanent.

Mehr planerische Kompetenz erfordert jedoch Entlastung von Verwaltungs- und Erfassungsaufgaben. Das neue System soll Intranet-basiert sein. Damit wird es möglich, personalrelevante Vorfälle dort zu erfassen, wo sie anfallen: Bisher müssen für jeden Urlaubsantrag, jede Krankmeldung, Vertretung und Zeitzuschläge Formulare ausgefüllt und zentral erfasst werden. Künftig soll etwa jede Polizeidienststelle und jede Schule derartige Angelegenheiten in das System eintragen können.

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